Juzi-Titel

Umsonstladen

Der Umsonstladen Göttingen befindet sich im 1. Stock des Juzi's.

Dort gibt es Kleidung, Spiele, Bücher und anderes Brauchbares kostenlos. Wer übrig hat, bringt mit; wer es gebrauchen kann, nimmt es sich.

Öffnungszeiten während der Cafés und des Infoladens.

Zwei Bücherregale im Umsonstladen schreiben einen eigenen Blog

Hinbringen und mitnehmen statt tauschen

In einem Umsonstladen kannst Du alle Sachen, die dort herumliegen, umsonst mitnehmen. Und Du kannst Dinge, die Du nicht mehr brauchst, die aber noch nutzbar und funktionstüchtig sind, dort hinbringen, damit andere die Möglichkeit haben, sie umsonst mitzunehmen. Du hast weniger Krempel zu Hause rumstehen und kannst gleichzeitig auf einen wesentlich größeren Pool an Dingen zugreifen. Für Dinge, die nicht in den Umsonstladen passen, gibt es ein schwarzes Brett. Mitnehmen kann jede*R alle dort hingebrachten Gegenstände, die er*sie möchte. Es gibt keine Beschränkung wie viel man nehmen darf und es ist auch nicht daran gekoppelt, ob man selbst etwas mitgebracht hat.

Wozu das Alles?

Der Umsonstladen bietet die Möglichkeit, das bornierte Prinzip von Tausch und Eigentum anzuknacksen. Ausserdem erhöhen sich die Handlungsspielräume all derer, die den Umsonstladen nutzen: Wenn alle ihre Isomatte, die ohnehin nur Platz im Zimmer wegnimmt, in den Umsonstladen bringen würden und sich immer dann, wenn sie mal eine brauchen, sie aus dem Laden holen, dann haben alle immer Zugriff auf eine Isomatte - auch die, die sich gerade keine leisten können.

Das ist ein anspruchsvolles Unterfangen: Es setzt voraus, dass sich alle anderen ebenfalls ihre Isomatte in den Umsonstladen bringen. Es setzt voraus, dass wir selber den uns über Jahre antrainierten Zwang, Eigentum wie einen Augapfel zu behüten, überwinden. Aber genau um solche Dinge zu verlernen, die nur im Kapitalismus Sinn machen, ist ein Umsonstladen wichtig.

Damit gibt es noch keine neue Gesellschaft und der oben beschriebene Irrsinn ist noch lange nicht abgeschafft - so einfach geht das dann doch nicht. Aber Räume wie der Umsonstladen können ein Teil einer größeren antikapitalistischen Transformations-bewegung sein, in der wir uns gemeinsam unsere Lebensumwelt aneignen. Umso mehr Leute ihre Dinge zur Verfügung stellen, umso mehr Leute ein anderes Miteinander auszuprobieren bereit sind - umso umfangreicher und besser kann auch das Angebot im Umsonstladen werden. Wichtig ist aber ein Umsonstladen nicht nur, weil er ein erster Anfang ist, sich anders aufeinander zu beziehen denn als tauschende Warenbesitzer*Innen: Schließlich sind wir alle als solche aufgewachsen und müssten für eine andere Gesellschaft erst einmal verlernen, was diese so alles nicht braucht: Die Vorstellung, dass jemand einen ausnützt, wenn man ihm*ihr etwas gibt, ohne etwas zurück zu bekommen. Oder auch das flaue Gefühl im Magen, wenn man selbst etwas nimmt, aber gerade nichts zu geben hat. Die Angst in Freiheit Dinge weiterzugeben, statt alle zu zwingen arbeiten zu gehen, wenn sie sich etwas nehmen - eben weil es in einer Gesellschaft, in der dieser Zwang existiert, das niemand sonst freiwillig tun würde. Usw. All dies muss verlernt, und ein anderer freierer Umgang miteinander erst einmal ausprobiert und eingeübt werden, bevor wirklich alles anders werden könnte.

So funktionierts ...

Wenn sich an diese Kleinigkeiten gehalten wird, kann eigentlich im Alltagsbetrieb nichts schief gehen. Weil aber doch manchmal größerer Aufräumbedarf besteht, sich über neue Regale oder Ähnliches Gedanken gemacht werden muss, ist es sinnvoll, wenn sich Nutzer*Innen zu einer CareGroup zusammenschließen, die ein wenig darauf achten, dass der Umsonstladen nutzbar bleibt ...

Nichts wie hin und zugreifen!

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